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Obergurgl OrtsansichtZirbenwaldDer erste Exkursionstag ist traditionell der einzigen Waldgesellschaft gewidmet, die in dieser Höhenstufe der Zentralalpen noch existieren kann, dem Lärchen-Zirbenwald. Er stellt die potentielle natürliche Vegetation im Raum Obergurgl dar und würde ohne Einfluss des Menschen große Teile des Ötztales zwischen etwa 1500 und 2200 Metern bedecken. Tatsächlich wurden diese Wälder  aber im Rahmen der mehrere Jahrtausende zurückreichenden Besiedlungsgeschichte des Ötztales großflächig gerodet und in landwirtschaftliche Nutzflächen, wie Mähwiesen und Weiden umgewandelt. Der so genannte 'Obergurgler Zirbenwald' bietet als ein etwa 20 Hektar großes Naturdenkmal daher eine gute Gelegenheit, die Struktur und das Artenspektrum dieses selten gewordenen Vegetationstyps zu studieren. Wichtigstes Element dieser relativ lichten Wälder sind die namengebenden Zirben oder Zirbelkiefern (Pinus cembra), die meist von einem dichten Unterwuchs aus Kräutern  und Zwergsträuchern begleitet werden. An der Waldgrenze gehen die Zirben dann mehr und mehr zurück und werden durch verschiedene Zwergsträucher ersetzt, die den oberen Abschluss der subalpinen Zone bilden.

Punktierter Enzian TroddelblumeNun beginnt der für den Flachland-Botaniker interessanteste Teil der Alpenflora, die so genannten alpinen Matten. Damit sind die von verschiedenen Grasartigen dominierten Pflanzengesellschaften gemeint, die ohne Einfluss des Menschen dauerhaft baumfrei bleiben und deshalb auch als alpine 'Urwiesen' bezeichnet werden. Alle anderen 'Wiesentypen' Mitteleuropas sind erst durch die Tätigkeit des Menschen entstanden und würden sich ohne kontinuierliche Bewirtschaftung über kurz oder lang wieder in einen Wald verwandeln. In der Umgebung von Obergurgl kann man vor allem zwei Urwiesentypen antreffen, den Borstgras- und den Krummseggenrasen. Der Borstgrasrasen wird wie der Name sagt, vom Borstgras oder Bürstling (Nardus stricta) dominiert und erstreckt sich etwa zwischen 1800 und 2500 Metern Meereshöhe. Mit etwa 30 bis 50 Arten ist es eine relativ artenreiche und zur Hauptblütezeit besonders farbenfrohe Gesellschaft, die oft als Prototyp der bunten Alpenwiesen angesehen wird. Neben zahlreichen Korbblütlern, weiteren Gräsern und verschiedenen Orchideenarten finden sich hier auch so markante Pflanzen, wie  Stengelloser und Punktierter Enzian (Gentiana acaulis und G. punctata), die Silber- oder Wetterdistel (Carlina acaulis) und die Arnika (Arnica montana). Im oberen Ötztal werden die Borstgrasrasen oft von Schafen beweidet, die aus dem benachbarten Südtirol stammen. Diese Bewirtschaftung geht auf sehr alte Beweidungsrechte zurück, die bis heute von den italienischen Schäfern genutzt werden. Der Auf- und Abtrieb der Tiere über den Alpenhauptkamm dauert jedes Mal mehrere Tage und wird von einem volksfestartigen Schauspiel begleitet.

TotengebeinsflechteAb etwa 2500 Metern geht der Borstgrasrasen dann allmählich in den Krummseggenrasen über, der als die häufigste und am höchsten steigende Pflanzengesellschaft der Zentralalpen gilt. Charakterpflanze ist hier mit der Krummsegge (Carex curvula) ein Sauergras, das sich durch diverse Besonderheiten auszeichnet. Die optisch auffälligste Besonderheit besteht darin, dass die jungen Triebe der Krummsegge sehr früh von einem Schlauchpilz befallen werden und danach absterben, vergilben und sich einkrümmen. Dies führt auch dazu, dass Krummseggenrasen niemals frischgrün aussehen, sondern immer eine relativ fahle gelblich-bräunliche Färbung aufweisen. Die Pflanzendecke ist in dieser Höhe generell schon deutlich artenärmer und wird neben relativ wenigen  Kräutern vor allem von Flechten (Foto) und Moosen dominiert, die zusammen fast 70% der Biomasse im Krummseggenrasen ausmachen.

RotmoosgletscherEine Besonderheit der alpinen Stufe besteht darin, dass das Vegetationsmosaik hier viel kleinräumiger entwickelt ist als in den darunter liegenden Zonen. Schon kleinere Senken, Felsgrate oder Schutthalden können den Lebensraum für sehr spezialisierte Pflanzengesellschaften, wie die Schneetälchen-, Windkanten- oder Schotterflora bilden. Hier sind dann oft echte Spezialisten wie die Troddelblume, die Gemsheide (siehe Pflanzenporträt im PDF) oder das Alpen-Leinkraut zu finden.

Eine besondere Attraktion für die Hamburger Exkursionsteilnehmer ist der Besuch des Rotmoosgletschers. Während man in Norddeutschland überall nur die Spuren der letzten, etwa 20.000 Jahre zurückliegenden Vereisung beobachten kann, bietet er die einmalige Gelegenheit, das Verhalten des 'fließenden' Gletschereises und seinen Einfluss auf Landschaft und Vegetation in Echtzeit zu erleben. Da der Rotmoosgletscher und seine Entwicklung seit Jahrzehnten genauestens dokumentiert werden, bietet er auch die Gelegenheit, verschiedene Aspekte des Klimawandels auf anschauliche Weise zu thematisieren. Beladen mit vielen Eindrücken und Erlebnissen und verwöhnt von der sprichwörtlichen Tiroler Gastfreundschaft treten die Exkursionsteilnehmer nach gut einer Woche ihren Heimweg in das Norddeutsche Tiefland an.

[DISA 02.2016, PDF, Text: Dr. Carsten Schirarend]

 

 

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