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JOHANN GEORG CHRISTIAN LEHMANNNach einigen Startproblemen konnte LEHMANN am 20. Oktober 1821 aus den Händen von Senator CARL HERRMANN MERCK (1809-1880) eine geeignete Fläche westlich des Dammtores übernehmen, um daraus ‘nach eigenem Gutdünken und bestem Wissen einen botanischen Garten zu machen‘. Schon wenige Tage später pflanzte LEHMANN eigenhändig den ersten Baum des Botanischen Gartens, der noch heute als so genannte ‘Lehmann-Platane‘ in den Parkanlagen von Planten un Blomen zu finden ist. Trotz großer Finanzierungsnöte, die den Garten über viele Jahrzehnte hinweg begleiten sollten, gelang es Lehmann, ihn zu einer der führenden Institutionen Europas zu entwickeln. Darüber hinaus öffnete er die Gartentore für die interessierte Bevölkerung und machte ihn so zu einer beliebten und viel besuchten Hamburger Sehenswürdigkeit.

Nahezu 150 Jahre sollte der Botanische Garten danach an seinem alten Standort bestehen und hier eine wechselvolle Geschichte durchleben. In der Rückschau muss dabei die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als wissenschaftlich erfolg- und ertragreichste Phase angesehen werden. In einer Zeit, in der neue Pflanzen aus allen Teilen der Welt nach Europa gelangten, war die Handels- und Hafenstadt Hamburg ein besonders privilegierter Ort, der Pflanzenjäger und Wissenschaftler gleichermaßen anzog. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Botanische Garten eine Größe von insgesamt 10 Hektar erreicht und neben dem Botanischen Museum, einem Vorlesungsraum und einem Labor für Warenkunde gehörten auch neun Gewächshäuser zu seinem Bestand. Obwohl die Häuser nach heutigen Maßstäben recht klein und auch in ihrer technischen Ausstattung sehr mangelhaft waren, beherbergten sie bald mehr als 3.000 Pflanzenarten, zu denen zahlreiche botanische Kostbarkeiten gehörten. Hier sind vor allem die von LEHMANN (1834) beschriebenen Palmfarne der Gattung Encephalartos und die von LEHMANN's Nachfolger HEINRICH GUSTAV REICHENBACH (1824-1889) wissenschaftlich bearbeiteten Orchideen zu nennen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde wiederholt über eine Verlegung des Botanischen Gartens diskutiert. Hintergrund war die um die Jahrhundertwende stark gestiegene Luftverschmutzung in der Innenstadt und die generelle Platznot des nun weitestgehend umbauten Gartens. Die Pläne für einen neuen Botanischen Gartens mit großzügigen Schaugewächshäusern im Jenisch-Park nahmen im Jahre 1939 zunehmend Gestalt an, ihre Umsetzung wurde aber durch den Ausbruch des Krieges verhindert. In den Bombennächten des Jahres 1944 wurden große Teile der Freilandflächen und zwei Drittel der Gewächshäuser des Botanischen Gartens zerstört und die Fläche westlich des Dammtores glich einem Trümmerfeld.

DSCN4198 240Der Neuanfang nach dem Kriege fand unter der Leiter von WALTER MEVIUS (1893-1975) statt. Auf den Flächen der zerstörten Gewächshäuser wurden zunächst Schmuckterrassen angelegt und auch die verschiedenen Freilandabteilungen wurden nach und nach wieder aufgebaut. Im Jahre 1953 war ein Drittel des Gartens in die Internationale Gartenbauausstellung einbezogen. Die Pläne für die IGA 1963 gingen wesentlich weiter und liefen auf eine weitestgehende Vernichtung der historischen Strukturen und des vorhandenen Pflanzenbestandes hinaus. Nachdem diese Pläne zum Gegenstand einer teilweise recht erregten öffentlichen Diskussion wurden, sah man sich zu einer Überarbeitung gezwungen. Das modifizierte Konzept ließ ein noch heute sowohl gartenkünstlerisch als auch architektonisch überzeugendes Ensemble aus Altem Stadtgraben, Mittelmeerterrassen und neuen Schaugewächshäusern entstehen.

Die Planungen für die neuen Schaugewächshäuser lagen in den Händen von zwei hervorragenden Fachleuten, die sich in idealer Weise ergänzt haben. Für die Architektur zeichnete BERNHARD HERMKES (1903-1995), einer der bedeutendsten Nachkriegsarchitekten Deutschlands verantwortlich. HERMKES hatte in München, Berlin und Stuttgart studiert und war nach 1935 zunächst im Industriebau tätig. Nach der Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eröffnete er 1945 ein eigenes Architekturbüro in Hamburg. Nachdem er hier unter anderem die Grindelhochhäuser (1946-1956), die Kennedy-Brücke (1952-1953), das Audimax (1957-1958) und die Großmarkthalle (1958-1960) gebaut hatte, wurde er 1960 mit den Planungen für die neuen Schaugewächshäuser betraut. Besondere Herausforderungen waren dabei die Einbettung der Häuser in die vorhandene Topographie und die erstmalige Anwendung einer nach außen verlegten Rahmenkonstruktion aus Stahl. Beide Probleme hat HERMKES in eindrucksvoller und noch heute überzeugender Weise gelöst. Er entwarf eine Gewächshausanlage, die in zwei Ebenen und in zwei parallel orientierten Trakten angeordnet ist. Eingangsbereich und Sukkulentenhaus bilden die untere Ebene. Tropenhaus, Palmfarnhaus und Subtropenhaus stellen die obere Ebene dar. Beide Ebenen werden im Osten durch eine Passage mit Garderobe und Schauaquarien, im Westen durch das Farnhaus verbunden. Alle Häuser sind so miteinander verknüpft, dass ein Rundweg die Anlage vollständig erschließt.

Encephalartos longifoliusDie besondere Wirkung der Schaugewächshäuser kommt erst durch die gelungene Verknüpfung zwischen dem landschaftlichen Umfeld des Alten Botanischen Gartens, der von HERMKES geschaffenen architektonischen Hülle und dem botanischem Inhalt zur Geltung. Für die inhaltliche Gliederung und Gestaltung der Anlage zeichnete der damalige Technische Leiter des Botanischen Gartens JOHANNES APEL (1917-1997) verantwortlich. APEL war als Sohn des Garteninspektors in den Wörlitzer Parkanlagen aufgewachsen. Dort erhielt er auch eine erste Ausbildung als Gärtnergehilfe, die er anschließend in Berlin (Baumschule Späth) und Hannover (Herrenhäuser Gärten) weiter ausgebaut hat. Nach einem zweijährigen Gartenbau-Studium an der Fachhochschule in Weihenstephan kam APEL 1952 nach Hamburg. Hier stand er zunächst vor der Aufgabe, das weitgehend zerstörte Gelände des Alten Botanischen Gartens innerhalb eines Jahres für die IGA 1953 vorzubereiten. Nach der IGA 1953 gab es nur wenige Jahre, in denen er die erfolgreich begonnene Aufbauarbeit im Garten in Ruhe fortsetzen konnte. Schon bald warfen die Planungen für die nächste IGA 1963 ihre Schatten voraus und APEL stand vor der Perspektive, an der Planung der neuen Schaugewächshäuser mitzuwirken. Natürlich war ihm klar, dass man eine solche Aufgabe nur einmal im Leben erhält und er widmete sich diesem Projekt mit der ihm eigenen Intensität und Akribie. Zahlreiche Publikationen jener Zeit belegen, wie gründlich er sich sowohl mit den technischen und auch gestalterischen Fragen des Gewächshausbaus befasst hat. Besonderes Geschick bewies JOHANNES APEL beim bis heute kaum veränderten gestalterischen Konzept für die einzelnen Schauhäuser. Geprägt durch seine Kinder- und Jugendjahre in der Wörlitzer Parklandschaft, ist es ihm gelungen eine einzigartig lebendige und kontrastreiche Kunstlandschaft unter Glas zu inszenieren.

Heute werden die Schaugewächshäuser von jährlich mehr als 200.000 nationalen und internationalen Gästen besucht, die sich beim Betreten der Anlage in eine ferne exotische Welt versetzt fühlen. Seit 2005 befinden sich die Häuser im Eigentum der Hamburger Zeit-Stiftung und die Universität ist jetzt nur noch Mieter dieser traditionsreichen Einrichtung.

[DISA 01.2013, PDF, Text: Dr. Carsten Schirarend]

 

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