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Hochalpine Vegetation am Sophia-SeeIm September 2011 konnte eine Expedition realisiert werden, welche zu einem „Hotspot“ der Biodiversität führte, dem Kaukasus. Gärtner und Biologen aus 4 Ländern und insgesamt 5 Botanischen Gärten waren daran beteiligt.

Der Kaukasus liegt zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer und bildet hier die Grenze zwischen Europa und Asien. In den Großen und Kleinen Kaukasus sowie das Thalischgebirge unterteilt liegt er auf dem Territorium von 7 Staaten: Russland, Georgien, Abchasien, Aserbaidschan, Armenien, Türkei und Iran. Das nördliche Vorland bis zur Manytsch-Senke bildet den so genannten Vorderen Kaukasus. Starke Variabilität hinsichtlich des Reliefs und des Gesteins sowie große klimatische Unterschiede in der Höhenstufung und zwischen einem ariden Osten und einem humiden Westen ermöglichen einen Artenreichtum mit etwa 6350 verschiedenen Blütenpflanzen. Ein Viertel davon ist endemisch, das heißt nirgendwo anders auf der Welt vertreten.

Internationales Team

Teilnehmer der Expedition waren Mitarbeiter der Botanischen Gärten St. Petersburg ( Nina Alexeeva, Yuri Smirnov, Gennady Firsov, Dmitry Shilnikov), Stavropol ( Ekaterina Peschanskaia, Galina Shevchenko, Vasili Hrapach ), Göteborg ( Anna Marika Irvine, Kjell Gustaf Henrik Zetterlund, Mats Erik Havström ), Shanghai ( Tian Qui ) und Hamburg ( Volker Struß, Christian Rudolf Meyer-Zerhusen, Mirko Marzke). Diese Gärten sind in einer langjährigen gärtnerisch-botanische Partnerschaft miteinander verbunden. Der russische Biologe Dmitry Shilnikov von der Botanischen Station Pyatigorsk, einer Außenstelle des Botanischen Gartens St. Petersburg am Kaukasus, ist ein besonderer Kenner der nordkaukasischen Flora. Bei der Bestimmung der Pflanzen spielte er eine bedeutende Rolle. Für die spätere Weiterkultur war der Erfahrungsreichtum der schwedischen Kollegen wesentlich. Die Hamburger Gärtner konnten über 200 Pflanzenarten sammeln, den überwiegenden Teil davon in Form von Saatgut. Die Expedition konzentrierte sich auf Gebiete am westlichen Kaukasus-Hauptkamm sowie auf das so genannte Bermamit-Plateau und eine Vorgebirgsregion. Darüber hinaus wurde ein Steppengebiet im Kaukasusvorland besucht. Diese Regionen gehören mehr oder weniger dem gemäßigten Klimabereich an. Abweichungen ergeben sich je nach Höhenlage. Der überwiegende Teil dieser Regionen befindet sich in Karatschai-Tscherkessien, einer der Russischen Föderation angehörenden, autonomen, islamisch geprägten Republik mit einer Vielzahl unterschiedlicher Nationalitäten.

Hochplateaus und Inselberge

Gonachkhir-Fluss am Kaukasus-HauptkammIm Raum Pyatigorsk ragen mehrere Inselberge vulkanischen Ursprungs, so genannte Lakkolithe, aus der heute größtenteils agrarwirtschaftlich überformten Steppenebene heraus. Mit einer maximalen Höhe von 1400 Metern reichen diese nicht über die untere montane Zone, die Zone des sommergrünen Berglaubwaldes, hinaus. Die Orientalische Buche ( Fagus orientalis ) ist hier dominant. Sie ähnelt der europäischen Rotbuche ( Fagus sylvatica ), besitzt jedoch größeres, vom Trieb weit abstehendes Laub, welches ihr besondere Anmut verleiht. Im Gipfelbereich des Beschtau-Berges verhindern starke Winde die Waldbildung, so dass Bergwiesen an dessen Stelle treten. Während die gelbe Kaukasus-Lilie ( Lilium monadelphum ) mit ihren türkenbundartig geformten Blüten hier bereits im Frühsommer auffallende Akzente setzt, trat zur Zeit der Expedition der spät blühende Enzian Gentiana septemfida hervor. Beide Arten konnten gesammelt werden.
Mit 2500 Höhenmetern erreicht das südlich der Inselberge gelegene Bermamit-Plateau bereits die alpine Stufe. Es ist Teil des so genannten Felsengebirges, welches dem Kaukasus-Hauptkamm vorgelagert ist. Das Vegetationsbild ist von steppenartiger Erscheinung. Eine Vielzahl an Gräser- und Staudenarten wachsen auf horizontal ausgerichtetem, teils humosem, teils schotterigem Grund. Einige dieser Arten haben seit langem Einzug in die europäische Gartenkultur gefunden. Mehrere Enzian-Arten, so der Bieberstein-Enzian ( Gentianella biebersteiniana ), sind anzutreffen. Alpine Polsterpflanzen wachsen in den dolomithaltigen Steilwänden am Rande des Plateaus.

Am Hauptkamm

Dreizähnige GlockenblumeGoldlackblättrige GlockenblumeHerbstblühender Crocus vallicolaSamenstände des Kaukasus-DiptamHerbstblühender Crocus vallicolaNacktstengeliger StorchschnabelPrachtherbstzeitlose

Weite Teile des westlichen Kaukasus-Hauptkamms bestehen hingegen aus Silikat. Die markanten Gipfel der besuchten Regionen Dombai ( Dombai-Ulgen 4046 m ) und Arkhyz liegen in Sichtweite des mit 5642 m höchsten Kaukasus-Berges, dem Elbrus. Zahlreiche Gletscher prägen das Landschaftsbild. Die steilen Berghänge besitzen eine deutliche Vegetationsabstufung. Bis 2000 m Höhe dominieren Nordmann-Tannen ( Abies nordmanniana ) und Orientalische Fichten ( Picea orientalis ) in hochwaldartigen Beständen. Im lichten Schatten gedeihen Lindenblättriger Baldrian ( Valeriana tilifolia ) und Orientalischer Eisenhut ( Aconitum orientale ).
Ausgedehnte Bestände mit weißblühendem Kaukasus-Rhododendron ( Rhododendron caucasicum ) bedecken die Hänge der subalpinen Stufe. Zahlreiche Großstauden treten auf.
Besonders artenreiche Wiesen finden sich im hochalpinen Bereich ( ab 2300 m ), so etwa am Mount Musa Achitara, wo Saatgut der bis zu 1,50 m hohen Milchblütigen Glockenblume ( Campanula lactiflora ) gesammelt werden konnte. Der eigenwillig anmutende, nur etwa 20 cm hohe Kaukasus-Rittersporn ( Delphinium caucasicum ) gedeiht hingegen auf 3000 m hoch gelegenen Schotterflächen. Im Vergleich zu unseren hohen Gartenritterspornen erscheint er wie ein Zwerg, der durch strahlendes Blau und Zierlichkeit besticht.
Zu den botanischen Highlights der Expedition zählten die sommer- und herbstblühenden Krokusse. Weißer Crocus vallicola bedeckt weite Teile extensiven Weidelands in abgelegenen Tälern der Arkhyz-Region. Crocus scharojanii bevorzugt Lagen um 2000 m, welche er mit goldgelben Blüten überzieht.

Mit Auf- und Abstieg, Pflanzenbestimmung, Sammeln von Saatgut, Saatgutreinigung und Dokumentationsarbeiten erstreckt sich der Expeditionsalltag in der Regel bis weit in die Abendstunden. Schließlich werden die jungen Pflanzen ihre Standorte in der geographischen Abteilung sowie in dekorativen Pflanzungen und dem kühlen Gewächshaus des Botanischen Gartens erhalten.

[DISA 02.2013, PDF, Text: Mirko Marzke]

 

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