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Appalachen, USAHier sollten Kontakte zu anderen Botanischen Gärten und Gärtnereien geknüpft werden, es sollten interessante Naturstandorte besucht werden und last but not least sollten Pflanzen für die neue Appalachen-Abteilung im Botanischen Garten Hamburg gesammelt bzw. erworben werden.

Bevor wir uns auf den Weg begeben, noch ein paar Informationen zum Reiseziel. Die Appalachen sind ein zum größten Teil bewaldetes Mittelgebirge im Osten Nordamerikas, das sich über eine Länge von etwa 2.400 Km und durch mehr als 10 Bundesstaaten der USA erstreckt. Entsprechend dieser großen Ausdehnung ist das Klima sehr unterschiedlich und reicht vom feuchten winterkalten Klima im Norden bis zum fast subtropischen Klima in Virginia.

Die erste Etappe unserer Reise führte uns vom Ankunftsort Washington nach Raleigh. Hier trafen wir uns mit dem Kustos und verschiedenen Gärtnern des dortigen Botanischen Gartens. Nach dem ersten obligatorischen Abtasten der Kenntnisse der deutschen Gäste war das Eis schnell gebrochen und wir wurden hier, wie auf allen weiteren Stationen sehr herzlich aufgenommen. Zusammen mit unseren Kollegen in Raleigh haben wir das weitere Reiseprogramm vorbereitet, das uns über mehr als 3.000 Km und durch fünf Bundesstaaten (South- und North Carolina, Tennessee, West Virginia und Virginia) führen sollte.

Green SwampsEin erster ganz großer botanischer Höhepunkt war der Besuch der 'Green Swamps' in der Nähe des Militärstützpunktes Fort Bragg. Bisher hatten wir von diesem Ort nur gehört oder gelesen und die Realität hat unsere hohen Erwartungen bei weitem übertroffen. Eingebettet in einen lichten Kiefernwald (Pinus palustris) trafen wir auf ein großes, von Gräben durchzogenes Sumpfgebiet, dessen Boden über und über mit botanischen Leckerbissen, wie der Gelben Schlauchpflanze (Sarracenia flava) und Orchideen-Arten der Gattung Pogonia übersät war. Wir waren überglücklich und dankbar, dass unsere amerikanischen Partner uns den Zugang zu diesem einmaligen Naturparadies ermöglicht hatten. Von hier aus ging es bei strömendem Regen zur 'Plant Delights Nursery' von Tony Avent, eine der wohl bedeutendsten Gärtnereien North-Carolinas. Auch hier wurden wir freundlich empfangen und erhielten den wichtigen Hinweis, dass wir uns unbedingt mit Patrick McMillan, dem Leiter des Botanischen Gartens von South Carolina treffen müssen, um uns mit ihm über weitere interessante Reiseziele zu beraten. Nach einer anstrengenden, fünfstündigen Autofahrt erreichten wir den Ort Clemson in South Carolina und wurden dort sofort von Patrick McMillan in Empfang genommen. Statt einer erhofften längeren Verschnaufpause gab es eine Cola und dann ging es sofort auf eine spannende Entdeckungstour durch das 126 Hektar große Gartengelände.

Sarracenia

Und was wir bis dahin überhaupt noch nicht ahnten war, dass wir in McMillan einen der größten Dreiblatt-Spezialisten Nordamerikas vor uns hatten - also genau jener Pflanzengruppe, die ganz weit oben auf unserer Wunschliste stand. Ganz nebenbei ist McMillan auch dreifacher Emmy Award-Preisträger für seine legendären Fernsehreportagen mit dem Titel 'Expeditions with Patrick McMillan'. Wir waren jedenfalls völlig überwältigt, von der Schönheit seines Gartens und der Fülle seiner Kenntnisse und sind ihm im Nachhinein auch besonders dankbar, dass er mit uns einen akkuraten Reiseplan für die nächsten 9 Tage ausarbeitete.

Rhododendron-WälderAuf der ersten Exkursion der folgenden Tage begleitete uns Patrik McMillan selbst und hielt dabei mit einigen Standorten des Winterblattes (Shortia) einen ganz besonderen Leckerbissen für uns bereit. Shortia galacifolia ist die einzige Art des Winterblattes in Nordamerika und hier nur noch an ganz wenigen Orten zu finden. Ausgerüstet mit unserem Reiseplan und bei zunehmend besserem, d.h. regenfreiem Wetter unternahmen wir in den nächsten Tagen eindrucksvolle Fahrten durch die westlichen Ausläufer der Appalachen. Unterwegs begegneten uns viele botanische Schätze, wie verschiedene Lilien-Arten (Lilium grayi und L. superbum), die Kanadische Strauchnessel (Laportea canadensis) und große Bestände diverser Dreiblatt-Arten, vergesellschaftet mit dem Fussblatt (Podophyllum peltatum) und mit dem Schildblatt (Diphylleia cymosa). Immer wieder trafen wir dabei auch auf geradezu märchenhaft wirkende 'Rhododendron-Wälder' und gelangten schließlich auch zu den hohen Wiesen des 'Big Yellow Mountain', wo die dort lebenden Schäfer einen vom Aussterben bedrohten englisch-wallisischen Dialekt sprechen. Die Tage und fast 1.000 Km Wegstrecke vergingen wie im Fluge und die vorletzte Station auf McMillans Reiseplan waren die 'Cranberry Glades'. Dabei handelt es sich um ein relativ hoch gelegenes Moor, das in seinem Klima und seiner Vegetation sehr stark an Grönland oder Island erinnerte. Neben den schon früher gesehenen Schlauchpflanzen und Orchideen fanden sich der Sumpf-Weiderich, verschiedene Vaccinium-Arten und zu unserem Leidwesen auch häufig Klapperschlangen. Wirklich letzte, aber ebenso interessante Station in den Appalachen waren dann die so genannten 'Shale Barrens'. Im Unterschied zu den bis dahin besuchten, stets relativ feuchten Orten mit üppig grüner Vegetation, handelt es sich bei den 'Shale Barrens' um sehr trockene, steinige Süd- und Westhänge, auf denen eine völlig andere Flora zu finden war.

Sarracenia flavaDamit war der offizielle Teil unserer USA-Reise erledigt und für den Rückflug kehrten wir in die Hauptstadt Washington zurück. In knapp 3 Wochen haben wir 26 Standorte befahren, zahlreiche neue Kollegen kennen und schätzen gelernt, 185 Saatproben geerntet und eine Vielzahl unvergesslicher Reiseeindrücke gesammelt. Abschließend möchten wir uns bei der Stiftung 'Internationaler Gärtneraustausch' für die großzügige Unterstützung bedanken, ohne die unsere Reise sicher nicht möglich gewesen wäre. Nun hoffen wir, dass möglichst viele der mitgebrachten Saatproben auskeimen, um dann bald ihren Platz in der neuen Appalachen-Abteilung unseres Botanischen Gartens zu finden.

[DISA 01.2014, PDF, Text: Frederic Gilbert und Fabian Reppel]

 

 

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