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Chenshan Botanical GardenIm Jahre 1994 wurden Sabine Rusch und Johannes Donath erstmals nach China delegiert, um dort Kontakte zu potentiellen Partnergärten zu knüpfen. Auf ihrer vier-wöchigen Reise durch das sich gerade öffnende Land besuchten sie neben Peking und Kunming auch Shanghai, das seit 1988 durch eine Städtepartnerschaft mit Hamburg verbunden war. Hier gab es einen Botanischen Garten, der erst in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus einer ehemaligen Baumschule entstanden war und dessen Leitung sehr an einer Zusammenarbeit mit Hamburg interessiert war. Aus diesen ersten Kontakten ist eine mittlerweile fast 20 Jahre andauernde intensive Zusammenarbeit entstanden, deren Ziele und Inhalte erst kürzlich in einem Kooperationsvertrag neu bestimmt wurden.

Zu den vielen spannenden Momenten der Kooperation mit Shanghai gehört, dass es hier seit 2010 zwei Botanische Gärten gibt. Im Zuge der Vorbereitungen für die EXPO hatte die Shanghaier Stadtregierung im Jahre 2004 die Entscheidung für den Aufbau eines neuen, 200 Hektar großen Gartens im südwestlichen Randgebiet gefällt. Etwa 40 Kilometer vom Zentrum entfernt, entsteht hier gegenwärtig ein völlig neuer Stadtbezirk der immer noch rasant wachsenden Riesenmetropole. Ein markantes Kennzeichen des neuen Bezirkes Songjiang sind neun, bis zu 100 Meter hohe Granitberge, von denen einer, der Chenshan, zum Namensgeber für den neuen Garten geworden ist.

Die Planungen für den neuen Shanghaier Garten fanden in enger Zusammenarbeit zwischen den chinesischen Auftraggebern und deutschen Spezialisten statt, die insbesondere von dem in Bayern ansässigen Architekturbüro Valentin & Valentin vertreten wurden. Gestalterische Kernstücke des gemeinsam entwickelten Raumkonzeptes sind ein bis zu 14 Meter hoher, künstlich aufgeschütteter Ringwall, der darin eingeschlossene Chenshan-Berg und eine ausgedehnte Wasserlandschaft. Dabei handelt es sich um Raumelemente die zugleich hohe Symbolkraft und ästhetische Wirkung besitzen und dem neuen Shanghaier Garten ein unverwechselbares Aussehen verleihen. In nur vier Jahren Bauzeit wurde das ehemals landwirtschaftlich geprägte und von zahlreichen Kanälen durchzogene Gelände komplett umgestaltet und pünktlich zum Beginn der EXPO öffnete 'Chenshan Botanical Garden' seine Tore.

Chenshan Botanical GardenIm Rahmen mehrerer Shanghai-Aufenthalte hatte ich Gelegenheit, den neuen Garten intensiv zu erkunden und neben den architektonischen auch die gärtnerisch-botanischen Schwerpunkte kennenzulernen. Für das inhaltliche Gesamtkonzept war der bisherige Leiter des alten Shanghaier Gartens, Dr. Hu Yonghong verantwortlich, der in der Vorbereitungsphase Botanische Gärten in allen Teilen der Welt besuchte. Ergebnis dieser intensiven Studien ist ein Konzept, das hohe Attraktivität für die Gartenbesucher besitzt und zugleich modernsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. So sind in den bereits erwähnten begehbaren Ringwall, ein aus deutscher Sicht nahezu futuristisches Besucherzentrum, ein 12.000 Quadratmeter großer Schaugewächshaus-Kompex und ein Forschungszentrum integriert. Letzteres ist Bestandteil der chinesischen Akademie der Wissenschaften und enthält Labor- und Büroräume für mehr als 200 Fachleute. Darüber hinaus wird der insgesamt fast fünf Kilometer lange Ring, der auch als 'Green Belt' bezeichnet wird, zur Präsentation ausgewählter Gehölze aus Nord- und Süd-Amerika, Europa, Afrika und Australien genutzt. Die Fläche im Inneren des Ringes wird durch einen großen Kanal mit mehreren Seitenarmen durchzogen, die eine insgesamt 34 Hektar große Wasserlandschaft versorgen. Weiterer markanter Bestandteil ist der 70 Meter hohe Chenshan-Hill, der neben der natürlich bewaldeten Nordflanke aus zwei attraktiven Felslandschaften mit Steilwänden, Wasserfällen und Felsgrotten besteht. In der Umgebung des modellierten Ringwalles und der künstlich angelegten Themengärten wirkt dieser Berg, von dessen Gipfel man einen faszinierenden Ausblick genießen kann, wie ein Zitat aus einer anderen, längst vergangenen Zeit. Zu Füßen des Chenshan liegt der große See, um den sich inselartig insgesamt 35 Themengärten gruppieren. Diese sind entweder einzelnen Pflanzengruppen oder Lebensräumen gewidmet (z.B. Anemonen-, Iris-, Päonien oder Stein- und Wassergarten) oder sie dienen der Präsentation von verschiedenen Nutzpflanzengruppen (z.B. Faser-, Gemüse- und Medizinalpflanzen).

Chenshan Botanical GardenAus Hamburger Sicht besonders eindrucksvoll ist die besucherorientierte Ausstattung des Gartens. So erinnert das bereits erwähnte Besucherzentrum in seinen Dimensionen eher an ein hochmodernes Flughafengebäude und enthält alles, was man sich zur Begrüßung und Betreuung von Gartenbesuchern nur wünschen kann - eine große Eingangshalle, diverse Ausstellungsflächen, Vortragsräume, einen Gartenshop und ein Restaurant. Vor dem Besucherzentrum wartet dann ein aus mehr als 50 Elektrofahrzeugen unterschiedlichster Größe bestehender Wagenpark darauf, die Gäste begleitet von kundigen Führern in alle Teile des Gartens zu transportieren. Ein wichtiges Ziel sind dabei auch die Schaugewächshäuser, die sowohl architektonisch als auch hinsichtlich ihrer Dimension und technischen Ausstattung absolute Highlights darstellen. Aus der Ferne wirken die drei Glashäuser wie in der Sonne liegende Dinosaurier und erst beim Näherkommen erkennt man die besondere Konstruktionsweise der Verglasung, die diesen Eindruck entstehen lässt. Inhaltlich ist die Schauanlage in ein Regenwald- und ein Sukkulentenhaus, sowie ein Haus für bedrohte Pflanzen gegliedert. Daneben gehören zu dem Komplex noch ein Amphitheater, sowie ein weiterer Gartenshop mit Restaurant. Besonders beeindruckt haben mich die Größe und insbesondere die Höhe des Innenraumes der Glashäuser, die den chinesischen Kollegen phantastische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet haben und auch die Kultur großer Gehölze und Palmen erlauben.

Wir sind sicher, dass sich der neue Shanghaier Garten in den kommenden Jahren zu einem bedeutenden Besuchermagneten entwickeln wird und freuen uns auf den vereinbarten Austausch von Erfahrungen, Pflanzen und Gartenmitarbeitern.

[DISA 02.2012, PDF, Text: Dr. Carsten Schirarend]

 





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